Zukunft

KnitAngel am 29. August 2008

In der neuen Mittwochsaktion von Frau Blasebalg

 

 

spiele ich diesmal Antipode zu Jinx’ Beitrag, und zwar mit dem urkölschen Lebensmotto

“Et kütt wie et kütt - und et hät noch immer jot jejange”

Diese regionale Weisheit kennt jeder alteingesessene Kölner. Muss man das hier übersetzen? - “Es kommt so, wie es kommt - und es ist noch immer gut ausgegangen.”

Der Nachsatz zeigt, dass dieses Motto keine resignative Apathie, keinen depressiven Fatalismus wiederspiegelt, sondern eine schlitzohrig-therapeutische Mentalität. Zu dieser gehört die Haltung, sich permanent gegenseitig der opinio communis zu versichern, dass man sich keine überflüssigen Sorgen machen solle und brauche. - Kommt das vielleicht auch jemandem außerhalb der Enklave am Rhein bekannt vor? - Kommerzialisiert tritt uns heute diese Haltung auf dem Medienmarkt mit Titeln wie “Sorge dich nicht - lebe” zuhauf entgegen.

In der Regel ist mit dem kölschen Motto kein Freispruch von persönlicher oder gesellschaftlicher Verantwortung verbunden. Nur wissen die Rheinländer das Leben auch in schwierigen Lagen möglichst leicht zu nehmen. Und mit den Rheinländern im Allgemeinen wären wir bei dem, was die diametralen Ansichten zum Thema Zukunft (Eigenverantwortung versus “Et kütt wie et kütt …”) vielleicht verbindet: Subjektiv geäußerte Schicksalsergebenheit - ob als Deckmantel für Bequemlichkeit oder als therapeutisches Lebensmotto - ist, wenn sie uns in auffälliger Häufung entgegen tritt, immer ein Seismograph für den Zustand der Gesellschaft.

Sollte ich mich also hier also auf einer kleinen Insel der Seligen inmitten einer apokalypse-reifen Zivilisation befinden? Im kölschen Shangri_La? *grins*

Obwohl kein kölsches Urgestein, grüßt nun auch schlitzohrig grinsend

KnitAngel

Abgelegt unter varia & curiosa | Ein Kommentar

Ein Kommentar zu “Zukunft”

  1. Frau Blasebalgam 29. August 2008 um 10:15

    Oh, das ist Denkstoff. Schlitzohrig-therapeutische Mentalität - das ist eine tolle Wortkreation. Dankeschön!

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