Noch mehr “old-fashioned”

Danke für eure netten Kommentare zu meinem “old-fashioned” Winter-Set! Da der Retro-Stil offenbar gut ankommt, möchte ich euch noch ein passendes Buch zeigen (das ich dem Ravelry-Ideen-Striptease meiner Freunde zu verdanken habe – merci :-)

“The Ohio Knitting Mills Knitting Book” von Steven Tatar und Denise Grollmus bietet nicht nur Retro-Fashion zum Nachstricken, sondern auch einen kleinen Streifzug durch die US-amerikanische (Mode)Geschichte. Die story zum Buch: 2005 stieß der Bildhauer Steven Tatar in Cleveland auf die größtenteils stillgelegte “Ohio Knitting Mills factory” – einstmals eine prosperierende Vertrags-Strickerei, die den “sportswear style” populär gemacht hatte. Tatars Beschreibung des Vorgefundenen erinnert mich an die Dornröschen-Geschichte der ehemaligen Tuchfabrik Müller in Euskirchen (heute ein Industriemuseum): altmodische Strickmaschinen und Garnvorräte in allen Farben und Materialien – vieles noch funktionsfähig. Dazu ein riesiges Textillager mit Gebrauchsmustern fast aller Produktionslinien von den 1940er bis zu den 70er Jahren. Tatar erwarb die Lagerbestände, verpasste den alten Schätzchen mit “Ohio Knitting Mills” ein einheitliches Label und brachte sie in Brooklyn zwei Jahre lang unters aktuelle Modevolk. Entsprechende Strickwaren (von denen ich annehme, dass sie nachgearbeitet sind), lassen sich heute online hier erstehen.

Für das “Ohio Knitting Mills Knitting Book” wurden 26 Modelle der historischen Produktion zu Handstrickprojekten umgearbeitet (Kleider, Rock mit Oberteil, Damen- und Herren-Pullis sowie -Jacken, Pullunder, Poncho und last but not least ‘Kleinkram’ wie Mütze und Schal oder Tasche).

Schon der Kontrast zwischen den alten Aufnahmen und den gut fotografierten ‘neuen’ Versionen macht Lust, die Einleitungstexte zu den Projekten zu lesen: Dort werden alle Modelle recht aufschlussreich in ihrer (Mode-)Dekade verortet. Die Anleitungen scheinen auf den ersten Blick umfassend genug zu sein; dazu gibt’s Schemazeichnungen und ggf. Mustercharts. [Viele Effekte werden übrigens durchs nachträgliche Besticken erzielt, sind also gut für bereits vorhandene Modelle adaptierbar.] Historische Fotos und Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern evozieren, auch mit Hilfe der gelungenen Grafik, ein zeitgemäßes Retro-Feeling.

Diese Stimmung kommt auch in einem Video Tatars rüber, in dem er von seiner Unternehmung berichtet und en passant auch einige Modelle und Accessoires seines Shops gekonnt in Szene setzt. Guckt doch mal rein:

Auch wenn ich vielleicht nichts aus dem Buch nachstricken werde,** das Buch hat für mich unbedingten Sammelbuch-Charakter. Aber das ist natürlich – wie immer – Geschmackssache ;-)

Eine gute Rezension habe ich übrigens hier gefunden; mehr Fotos gibt’s beispielsweise bei Knitpicks.

** (obschon: das Mondrian-Kleid des Titels, eine Hommage an ein 60er-Jahre-Modell von Yves Saint Laurent, würde mich schon reizen … vielleicht mit engen schwarzen Ärmeln und einem schwarzen Stehkragen versehen ?!? Denn ärmellos trag’ ich nur, wenn’s heiß ist – dann aber keinen Stricksachen.)

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.