Himmel hilf

Kennt ihr das Gefühl ungläubigen Staunens, wenn sich beim Handwerkeln, vorzugsweise nach durchkämpfter Nachtschicht, eine Katastrophe offenbart, die man einfach nicht glauben kann? … Solch ein Erlebnis hatte ich letzte Nacht, als ich sicher war, meinen roten Pulli fast fertig zu haben. Doch bevor ich euch das Malheur brühwarm serviere, möchte ich mich für euer Feedback zum Halsausschnitt mit den verkürzten Reihen und auch zum Babyalpaka bedanken. Ich find’s richtig klasse, dass ihr immer so bereitwillig und vor allem kompetent weiterhelft :-) Heute zunächst zum Halsausschnitt:

Brigitte und Angelika legen also diese “schrägen” Maschen auch schon mal beim Stricken mit an (bzw. “still”) – auf diese Weise muss man wohl nicht so sehr aufpassen, dass beim späteren Herausstricken keine Treppen sichtbar werden? Aber, wie Renate ja auch erwähnte: Das Problem mit den Löchern bleibt bei den verkürzten Reihen bestehen – zumindest beim Übergang zur waagerechten Halsausschnittlinie. Vor allem, wenn man die stillgelegten Maschen beim Arbeiten der Schulterschräge auch noch mehrfach überstrickt. Brigitte hat’s auf den Punkt gebracht: Die Methode funktioniert also nur bei flachen Schulterschrägen. Eine gute Idee hatte übrigens Frau Aud: Sie würde beim Überstricken der stillgelegten Seitenmaschen jeweils schon eine Masche der mittleren Halsmaschen-Reihe mitstricken. Das leuchtet ein. … Also wieder viel von euch gelernt: merci! (Liebe Frau BrBr, das ist mir Belohnung genug: dass du immer so fein für mich mitdenkst!)

Nun zur Katastrophe: Nach den Schulternähten war ich offenbar so aufs Nähen fixiert, dass ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen bin, erst einmal den Halsausschnitt sicher abzuketten (was ich sonst immer mache). Stattdessen habe ich die Ärmel eingesetzt und die Seiten- und Ärmelnähte geschlossen. Dafür hab’ ich zwei Abende gebraucht (weil: glitschiges Garn, unterschiedliche Reihenhöhe bei Vorder- und Rückenteil und Nählegasthenie). Endlich – schon viel zu spät in der Nacht – wähnte ich mich fertig. Dass mir aus dem Inneren des Pullis Unmengen an verfusselten Einzelfädchen entgegengekrochen kamen, hat mich überhaupt nicht irritiert – schließlich wollte ich wegen des speziellen Garns und des löchrigen Musters alle Fäden erst am Schluss in den Nähten verwahren. Deshalb konnte ich überhaupt nicht glauben, was meine Augen plötzlich an mein übermüdetes Gehirn zu melden versuchten: Das verfilzte Knäuel Garnspaghetti, das aus der der rechten Schulter quoll, bestand nicht aus zu vernähenden Fadenenden, sondern …

aus Ex-Maschen: Die kritische Ausschnittschräge war mir unbemerkt von den Nadeln gerutscht und munter aufgeribbelt … bis in die Schulternaht hinein. Ich – war – fassungslos. Hamlets Frage, “obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden?” stellte sich mir Steinböckin allerdings nur kurz. Nicht die Mülltonne, sondern ein Küchenhandtuch, Stecknadeln und meine Bacalit-Nadeln wurden zur Notsicherung bemüht, die unzuverlässigen Rundnadeln mit Gummibändchen zusammengezwungen. Dann alles gaaaaanz vorsichtig gewendet …

und von außen die Spaghetti neu miteinander verstrickt. Die Gürtelschlaufen der Wickelmaschen haben mich dabei vor ganz schöne Probleme gestellt (“wo gehört bloß dieses überflüssige Zentimeterchen Kräuselfaden hin? Wer wird mit wem zusammengestrickt?”). Weil das Garn mit jeder Bewegung schlechter wurde (die Einzelfädchen toupierten sich gegenseitig zu stumpfem Gestrüpp auf), hab’ ich einfach etwas improvisiert (und lobe mich selber dafür, dass ich jetzt mit leicht voneinander abweichenden Ausschnitt-Seiten leben mag ;-).

Die Löcher aber (siehe das erste Foto oben) mussten fort – so weit reichte meine neue Nonchalance nun doch nicht. Zusammengenäht sehen die Übergänge nun so aus:

Geht doch! Wirkt wie eine ganz normale Passe:

Jetzt kann der Frühling kommen!

In den nächsten Tagen werde ich noch Tragefotos machen – vor allem, um euch die Rückenansicht präsentieren (der Rücken ist ja komplett in dem transparenten Gestrick gehalten, was sich auf dem Bügel nicht fotografieren lässt; das dichte Vorderteil scheint durch).

Bis dahin grüßt euch herzlich

Angelika

3 Kommentare

  1. Ich mag gar nicht dran denken, was für ein Gestrubbel! Super gelöst und es fällt ÜBERHAUPT nicht auf. Und dann das Gefriemel mitten in der Nacht… Hut ab!

    Liebe Grüße,
    Thea

  2. Liebe Angelika,
    da bleibt eine das Herz ja fast stehen, wenn man das Gestrüpp sieht. Aber du hast die Situation glänzend gemeistert und das fertige Stück sieht klasse aus. Ist das tatsächlich so ein schöner Koralle-Farbton?

    Falls du es noch nicht gelesen hast. Am 31.03.2012 treffen wir uns wieder, vielleicht klappt es ja dieses Mal?

    LG
    Anja

  3. Gott, für diese Geduld gebührt ein extra Lob.

    Nicht ganz so schlimmes Chaos habe ich auch einmal erlebt und bin verzweifelt an dem “stumpfen Gestrüpp”, dass sich ständig falsch verhängt hatte.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.