… aber sowas von ‘daneben’

Ich könnt’ ja jetzt so tun, als hätte ich ein schickes Hemdchen zu präsentieren (… mit ein paar Stecknadeln und dem Bildbearbeitungsprogramm kein Problem …).

Aus einem wirklich attraktiven Seidengarn mit feinen Nadeln gefertigt. Eine Kombination, wie sie mir eigentlich gefällt: Seide trifft auf Jeans und Spitze auf Strick-Top.

Doch ich will ehrlich sein: Das so mühselig erarbeitete Teil (drahtähnlicher Faden, kleine Nadel, kryptische Anleitung) sitzt vorne und hinten nicht.

Der Ausschnitt viel zu tief und, noch viel schlimmer, die seitlichen Beulen unterhalb des Busens:

Das gesamte Oberteil eine Katastrophe!

Wie ich das wohl wieder geschafft habe? Erstens das Top bereits letztes Jahr nur _fast_ fertig gestrickt. Zweitens beim Zuendestricken nach einem Jahr vermutlich in der Größe verrutscht, als es um die Oberweite ging. Drittens vielleicht sowieso schon falsch gerechnet, als ich die Taille verringert (oder die Hüfte verbreitert ;-) hatte. Viertens … ach, ich weiß nicht.

Jedenfalls hab’ ich das Malheur mal wieder erst bemerkt, nachdem alles penibelst ausgefertigt war, und nicht beim Stricken, wo sich die Nähte noch nach innen rollten und sich ständig alles verzog. Bleibt noch zu erwähnen, dass ich auch die vordere Spitze sowie die Ärmel mehrfach einstricken musste, bis ich mit ihnen zufrieden war (ta-ge-langer Aufwand – natürlich vor dem Zusammennähen, das mir später erst die missratene Form offenbarte). Nun sind diese Spitzeneinsätze aber auch das Einzige, was an diesem Top gelungen ist.

Ja, wenn ich mir Wäscheklammern über die Schultern klemmte, dann ging’ es ja vielleicht ;-)

Ich ahne schon, was berufene Strickerinnen jetzt sagen werden, und schwöre beschwichtigend, dass das Armloch im Liegen gemessen nur 20 cm hoch war. Ob vielleicht auch die Oberweitenbeulen einfach abgesackt sind? – Egal: Es bleibt nur: aufribbeln! Komplett!

Das sind die leider immer wiederkehrenden Momente, wo ich mir eingestehen muss, dass mein Hobby “Stricken” eigentlich eine riesige Zeitverschwendung ist. Klar, wer schon nicht in der Lage ist, einen ordentlichen Schnitt fürs Nähen hinzubekommen, darf nicht erwarten, dass ein mühsam kleinzeilig gestricktes Oberteil sitzt. Doch während man beim Nähen meist noch die Option hat, aufzutrennen und neu zu nähen, heißt es beim Stricken – nach einer um ein Vielfaches längeren Arbeitszeit: “Gehe zurück auf Los” – sprich: auftrennen, Garn ribbeln, waschen, neu wickeln …

Frust – Frust – Frust – Frust – Frust !!!

Ob ich dieses Top allerdings noch einmal neu angehen werde, das ist ungewiss. Denn inzwischen konnte ich ein von Ulrike perfekt gestricktes Exemplar anprobieren.

Das saß natürlich viel besser, aber immer noch nicht optimal: Die Träger sind einfach für breitere Schultern als die meinen konzipiert, und die Relation von Hüfte zu Taille  scheint auf dem Foto nur passend, weil das Top mit Schlitzen gestrickt ist, die bei mir etwas aufklafften. Von hinten betrachtet ein ähnliches Bild:

Ich befürchte, die richtige Passform krieg’ ich nicht berechnet. Wie schade – ich finde das Hemdchen nämlich ausgesprochen hübsch.

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Designerin: Karen Noe
Modell: “Bluse eller top med blodestrik i hals og aermekant” / nr. 22.2 / 820 strikning
Anleitung: Kopie zur Garnpackung
Garn: “Japonica Silke” (= 100% Bouretteseide). 50 g = 270 m, Farbe: 10 Oxford Blue
Verbrauch: 148 g

 

Mitleidheischend grüßt

Angelika

P. S.: Gibt’s hier nicht irgendwo einen Wettbewerb um das mißratenste Teil? Dann könnte ich mit meinem Top vielleicht wenigstens noch ‘nen Blumenpott gewinnen …

 

10 Kommentare

  1. Liebe Angelika!

    So schlimm sieht es doch nicht aus, dass du alles auftrennen musst. Beim Foto, wo du die Schultern hoch ziehst, sitzt der untere Teil doch gut, dh: ich würde den Halsausschnitt und die Schultern nocheinmal neu durchdenken (Breite der Schultern, Länge des Halsausschnittes – bei dem könntest du zur Not auch ein Hemdchen hervor blitzen lassen).

    Ansonsten tät ich auch die Nähmaschine sprechen lassen (oder einfach Frau Aud ganz laut rufen ;-) ).

    Nicht verzagen, Blumentöpfe kaufst dir eh’ selber, warum noch welche gewinnen :-)

  2. Achje, das ist ja ärgerlich! Ich hätts nicht übers Herz gebracht, so viel Arbeit wieder aufzuribbel und hätte es wahrscheinlich ganz dreist unter die Nähmaschine geschoben um es enger zu machen und die Träger zu kürzen.

  3. Oh, Schmerz, liebe Angelika! Es tut mir so leid um den vergeblichen Aufwand und Deine Mühe!
    Dennoch würde ich nicht auftrennen. Schau Dich um, vielleicht gibt es sogar in Deinem Bekanntenkreis eine Dame, die mit breiteren Schulter und einer anderen Oberweite ausgestattet ist, dann kannst Du ihr Freude mit dem Geschenk machen. Es wäre wirklich Schade, das Teil ist sehr sauber ausgefertigt, in toller Farbe, kostbarem Material und wunderschön gestrickt. Es sitzt nur bei Dir nicht perfekt.

    Solche Erfahrungen machte ich auch, allerdings liegen sie sehr weit zurück.
    Nach Erlernen des Maßstrickens geizte ich mit meinem Wissen nie herum und teilte es willig, gab auch Kurse dafür, war dann nach Jahren vergeblicher Aufklärungsarbeit immer wieder perplext, dass so viele Strickerinnen einfach nicht wirklich daran interessiert sind, diese einfache Basics bewusst zu erlernen, bevor sie anfangen, Bekleidung zu stricken. Das ist wie, wenn man ins Auto einsteigen und losfahren würde, ohne Führerschein belegt zu haben, und dann am Ende der Zielstrecke, bis dahin der Gebrauchsanweisung fürs Auto vollends vertrauend, zurück schauen würde und sich ärgern würde, warum das Auto hin ist, und die Zielstrecke laute Stoßdellen und Löcher hat ???

    Nun, das soll keine Kritik, sondern hoffentlich ein Anstoß für das Umdenken sein. Und hoffentlich passiert es, bevor noch weitere Strickerinnen, wie Du wieder mal, auf die „Illusion der genau eingehaltenen Maschenprobe für die Anleitung“ reinfallen. Es gibt einerseits Maßstrick und andererseits „Ideen“, die über die Anleitung verkauft werden. Diese Ideen müssen lediglich so genommen werden, wie sie sind: als Orientierung. Für den perfekten Sitz muss jede Idee zwingend angepasst werden, weil: JEDER Körper und JEDER Garn einzigartig ist!

    Eine weitere Illusion mit starker Verbreitung und fester Überzeugung ist, dass alle Menschen innerhalb von wenigen Kleidergrößen in einer Strickanleitung untergebracht werden können. Nichts weiter als eine Verkaufsmasche des Verlags, um die Verkaufszahlen zu steigern. Die textile Industrie schweigt, weil sie primär daran interessiert ist, Wolle zu verkaufen. Designer schweigen, weil Sie über die Anleitungen für Ihr kreatives Tun entlohnt werden. Schlussendlich profitieren alle auf dieser Schiene, außer den StrickerInnen.
    Es geht so viel Mühe verloren, viele Strickerinnen verlässt dann einfach der Mut: Sie fangen an sich und ihren Fähigkeiten zu zweifeln, geben leider nach misslungenen Projekten das Bekleidungstricken auf und stricken lieber nur Projekte, die kein Umrechnen verlangen. Beobachte ich so oft… es ist ganzheitlich betrachtet einfach ein unsagbarer Verlust für dieses so erhabene Kunsthandwerk.

    In diesem Sinne… lass Dich nicht entmutigen! Das zahlt sich gar nicht aus bei so vielen wunderschönen Garnen, die heute zu bekommen sind! Um sie alle zu verstricken nach Deinem Guttunken und zwar so, dass sie später perfekte Kleidung ergeben, braucht es wirklich nur einige wenige Basics, die in kurzer Zeit erlernbar sind.

    Liebe Grüße
    Snjezana

  4. Ja, das ist Mist, dass das Teil so schlecht sitzt. Vielleicht kannst du ja aus dem Material ein anderes Top stricken, was besser zu Deinem Körper passt? ( ich habe auch schmale Schultern, da passen oft die Anleitungen nicht optimal).
    Ich drück Dir die Daumen, dass ein schönes, neues Teil Dich für den Frust entschädigt!
    Kerstin

  5. Liebe Angelika;
    danke für Deinen ausführlichen Blog-Eintrag!
    Wie Du schon an den zahlreichen Reaktionen siehst, kennt wohl jede von uns das ein oder andere Projekt, das trotz aller Planung und investierten Herzbluts auf irgendeine unerfindliche Weise in die Hose geht (was Dich hoffentlich nicht von weiteren Projekten abhält, wie so zart angeduete…)
    Deine Seidentop-Odysse zerreisst mir das Herz…. (und dann noch mit sooo viel Liebe bebildert). Aber wir sprachen ja schon darüber….

    Was mich aber neugierig macht (und hauptsächlich zu diesem Eintrag veranlasst) ist der Eintrag von Angelika II.
    Frage: WO gibt es denn die maßgeschneiderte Puppen die auch Bauchrollen und Co. berücksichtigen?????!!!! (und dabei gehe ich jetzt mal davon aus, dass sich die (Bauchrolle) , die mir gehört, in den nächsten 6 Monaten hoffentlich NICHT verdoppelt oder so…)
    ein solches Teil würde mir bei der Konstruktion eigener Werke deutlich weiterhelfen….

    LG und schon jetzt “danke”!

    Ulrike

  6. Schade, aber vielleicht findet sich jemand dem es passt.
    Das Design an und für sich ist schön, die Wolle sieht toll aus,
    oder du musst noch mal ran….
    liebe Grüße Elfi

  7. Och jeh! Auch mir tut es leid!
    Leider kenne ich das nur zu gut, wenn etwas nicht passt. Da hätte ich noch ein ähnliches Teil in einem meiner Schränke…
    Wie hier schon jemand sagte: Seide ist etwas schwierig…
    ein guter Schnitt ist wirklich Gold wert… usw.
    Und Renate meinte eine Schneiderpuppe wäre hilfreich.
    Dazu meine Erfahrungen:
    Vor einigen Jahren hatte ich mir eine verstellbare Schneiderpuppe zugelegt, war nicht billig. Ich wollte meine geschneiderten und gestrickten Teile daran probieren. Daran kann ich zwar verschiedene Weiten einstellen (Ober- Taillen- und Hüftweite), aber ganz wichtige Details eben nicht. An so einer Puppe kann ich z.B. nicht die Brusttiefe einstellen, oder meine Fettpolster am Bauch, auch nicht deren Höhe usw.
    Es gibt auf dem Markt für Schneiderzubehör auch Schneiderpuppen auf Maß gemacht. Das wäre ideal, wenn denn die Figur immer gleich bliebe. Aber Mädels, Ihr kennt das ja alle…
    In einem meiner Bücher, custom knits von Wendy Bernard (ab Seite 18) gibt es ein Kapitel, in dem erklärt wird, wie man eine individuelle “dress form” herstellt. Das ist eine sehr gute Idee, finde ich. Sollte ich auch mal probieren.

    Das gute Seiden-Garn und das Modell sind es meiner Meinung nach wert geändert zu werden.
    Gutes Gelingen!

    Angelika

  8. Ich kann deinen Frust so gut verstehen, liebe Angelika. Es könnte ein wahres Traumteilchen sein, wenn es denn auch passen würde … Aber so ist das nun mal immer wieder beim Stricken, Erfolge und Fehlschläge wechseln sich ab. Trotz allem, Kopf hoch! Das nächste Maschen- Erfolgserlebnis macht alles wieder wett.

    Liebe Grüße – Maleika

  9. Liebe Angelika,
    das tut mir aber sehr leid. Das Top sieht auf dem ersten Bild angezogen gut aus, aber du hast Recht, auf den weiteren Bildern sieht man, dass es nicht sitzt. Echt schade, vor allem, wegen der Arbeit, die du hattest damit. Ich bin gespannt, ob du es noch mal in Angriff nimmst, oder etwas anderes aus dem tollen Garn entstehen lässt. Leider habe ich keinen Tipp für dich.
    LG
    und ein feines WE,
    Anja

  10. Du tust mir echt leid! Das Teil ist nämlich wirklich hübsch – “nur” falsch berechnet! Seide ist ja immer etwas kritisch – die leiert! In diesem Fall also eine große Mapro anfertigen und waschen.
    Der Ausschnitt ist nicht nur zu tief, sondern auch zu weit – sprich: Die Schrägungen müssten anders berechnet werden. Ich glaube, das ganze macht nur Sinn, wenn du dir vorher einen genauen Schnitt aufzeichnest….
    Die Taillierung würde ich übrigensw auch nicht so stark machen!

    Jedenfalls kann ich deinen Frust gut verstehen!
    Vielleicht lohnt sich für dich die Anschaffung einer Schneiderpuppe, an der du deine Stricksachen zwischendurch anprobieren kannst?

    Liebe Grüße
    Renate

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