I-Cord … aus gegebenem Anlass

Manche Stricktechniken kommen so selten zum Einsatz, dass man sie immer wieder vergisst – mir geht das jedenfalls so. Dazu gehört auch der nachträglich angestrickte I-Cord, also die Zimmermannsche Idiotenstrippe.

Der Legende nach steht das “i” für “idiot”, womit Elizabeth Zimmermann signalisieren wollte, dass selbst ein Idiot diesen Schlauch nachstricken könne. – Anscheinend liegt mein IQ jedoch noch etwas niedriger, denn beim letzten Stricktreffen hab’ ich’s einfach nicht mehr auf die Reihe bekommen ;-) Also bei E. Z. nachgeschlagen (in “Knitting Around”) und vorsichtshalber noch einmal ausprobiert. Für Heidemarie und alle anderen Interessierten kommt hier die Erklärung. [Achtung bei den Fotos: Das gelbe Garn wurde mit doppeltem Faden verstrickt, weil ich zu faul war, ein Kontrastgarn in der richtigen Stärke zur gerade herumfliegenden Maschenprobe herauszusuchen. Lasst euch nicht davon irritieren!] Also, es geht los:

Mit einer etwas dünneren Nadelspiel-Nadel und ggf. kontrastfarbigem Garn Maschen aus des Vorderseite des Werks aufnehmen, immer nur 10 – 15 Maschen auf einmal. Alternativ: eine lange Rundstricknadel benutzen und die Maschen für eine gesamte lange Seite aufnehmen:

Dann mit einer Nadelspiel-Nadel in der für das Werk benutzten Stärke: 3 Maschen (ggf. wieder in der Kontrastfarbe) anschlagen. (Ich hab’ hier den Kreuzanschlag benutzt, deshalb hängt das Fadenende vor der letzten angeschlagenen Masche nach vorne unten heraus.)

Die Nadel mit dem Anschlag nun nicht wie sonst üblich wenden, sondern: Die drei neuen Maschen einfach ans andere Ende der Spielnadel schieben, damit gleich als nächstes nicht wie üblich die zuletzt angeschlagene Masche als erste abgestrickt wird, sondern die zuerst angeschlagene. Indem ich den Faden dann von links rüberhole, um diese erste Masche abzustricken, ziehe ich die neuen Maschen zum Schlauch zusammen.

Gestrickt wird immer folgendermaßen: *2 M. re stricken, 1 M. abheben, dann 1 Masche der aus dem Rand herausgestricken Maschen rechts stricken …

und die abgehobene Masche über diese soeben gestrickte “Rand”masche überheben. (Ich sehe nun, das Foto unten trügt etwas: Rechts neben der abgehobenen Masche, in die hier die linke Nadel schon zum Überziehen eingestochen wurde, liegen natürlich zwei rechte Maschen und nicht nur eine. Da hab’ ich in schlechtem Winkel geknipst.)

Abschließend alle Maschen des I-Cords gemeinsam wieder ans vordere Nadelende schieben.* Alle Schritte von * zu * wiederholen.

Ganz zum Schluss ggf. Anfang und Ende des I-Cords zusammennähen, etwa bei einer Deckenborte. (Nur zwei der Stiche passen allerdings perfekt aneinander, der dritte muss etwas gepfuscht werden, weil man zwei entgegengesetzte Maschenrichtungen miteinander verbindet.)

Von vorne sieht der angestrickte I-Cord klasse aus: siehe das erste Foto dieses Beitrags. Von hinten allerdings – Rosemarie, du hattest natürlich Recht –

zeigt sich der Rand, aus dem die neuen Maschen aufgenommen wurden, deutlich. Wenn der nicht so perfekt geraten ist oder man ein Tuch umstricken möchte, das natürlich seine Rückseite häufiger zeigt als etwa eine Jackenblende ihr Inneres, dann ist es vermutlich besser, doppelseitig Maschen herauszustricken und beide Blendenseiten nachher gemeinsam mit einer dritten Nadel abzuketten.

Wer jetzt noch erfahren oder sich erinnern möchte, wie man den I-Cord direkt mit anstrickt und vor allem um eine Ecke herum führt: Das hatte ich hier schon einmal ausführlich gezeigt.

Ich wünsch’ euch allen einen schönen zweiten Advent!

Angelika

5 Kommentare

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  2. Hallo nochmal,
    habe mein I-Cord jetzt nachgestrickt und nicht nur aus dem Gedächnis beschrieben.
    Stricke doch anders und es kommen keine Querfäden auf der Rückseite.
    Ich mache das so: stricke 3 Maschen rechts, dann gehe Reihe höhe und als 4 Masche nehme ich eine aus dem Rand auf.
    So habe ich 4 Maschen auf der Nadel.
    Dann schiebe die Nadel nach Vorne und stricke die nächste Reihe, 2 Maschen rechts un dann die 3 Mashe mit dee aus dem Rand aufgenommenen Masche zusammen.
    Dann gehe ich wieder an die Randmaschen und nehme eine Masche auf, habe wieder 4 Maschen. Dann wiederhole ich das wieder, 1,2 M stricken, 3+4 zusammen stricken, neue M aus dem Rand aufnehmen, Nadel nach vorne, usw.
    Ich denke das ist jetzt richtig, wenn ich die Maschen etwas straffer stricke habe oben und unten nur den farbigen I-Cord und keine sichtbaren Verbidnungsfäden.
    Ach, was war das schwer zu formulieren!
    Bin Mal gespannt ob das bei Dir Angelika auch so aussieht wie bei mir???
    Viel Glück
    Maya

  3. Hallo Angelika,

    viele StrickerInnen werden sich über diesen Eintrag freuen, denn nicht alle die stricken, wissen was ein i-cord ist und wenn, dann oft nicht wie dieser gestrickt wird.
    Und, ich habe bisher noch nie darüber nachgedacht wofür das i steht. Nun habe ich wieder was dazugelernt. Danke für die Info.
    Den i-cord stricke ich gerne als Abschluss/Kante an Ärmel und Körper bei RVO-Teilen, auch kette ich so meine Tücher und Schals ab, bzw. ich beginne damit. Das ist elastisch aber trotzdem fest und stabil.
    Und auch ich nehme nicht extra Maschen auf, sondern stricke gleich die Randmasche mit der letzten Masche vom i-cord zusammen. Klar, wenn eine andere Farbe verwendet wird sieht es auch so aus wie bei Dir.

    Der zweite Advent sieht hier bei uns sehr weiss aus, es hat mittlerweile ca. 8 cm Schnee und noch immer fallen die Flocken vom Himmel.

    Liebe Grüße
    Angelika

  4. Hallo Angelika, schön ist es Deinen I-Cord anzusehen, aber irgendwie stricke ich ihn anders, in nehme die Masche aus dem Rand vorher nicht auf.
    Wenn ich die 3 Maschen stricke, dann nach der 3 Masche stehe ich von vorne in den Rand, hole eine Masche aus dem I-Cord Garn heraus (von unten)- und ziehe diese durch die 3 Masche durch, dann fange wieder mit 1-2-3 M stricken, dann wieder aus der Randmasche eine Masche nach vorne ziehen, dann diese durch die 3 Masche ziehen und……. immer das gleiche.
    Irgendwie glaube ich, sieht das von “hinten” schöner aus, aber vielleicht nur für mich?
    Will Dich auf keinen Fall belehren, aber Jeder hat da so eigene Methode, anders wie E.Z.
    schönen Adventsonntag aus Köln
    Maya

    • Hallo Maya,
      nein, natürlich fühle ich mich nicht ‘belehrt’, sondern ich find’s klasse, dass du geantwortet hast (dann weiß ich schon mal, dass das überhaupt jemanden interessiert), und über Tipps freue ich mich immer ganz besonders! Ich werde deine Methode auch ausprobieren. Theoretisch ist sie mir klar, aber ich will gerne mal die eingefassten “Randmaschen” miteinander vergleichen. Dass ich diese “Vorher-Maschen-Herausstricken”-Methode gezeigt hab’, lag daran, dass ich es so im angegebenen Buch gelesen hatte und mich auch an ein Seminar bei Horst Schulz erinnerte, der ebenso vorgeht. Doch gerade bei Kraus-Gestricktem, wo es ganz klar ist, dass ich immer pro Rippe eine I-Cord-Reihe anstricke und nicht erst den Ratio bedenken muss (die wievielte Masche ich gegebenenfalls auslassen muss), da ist deine Methode jedenfalls schon mal deutlich praktischer.
      DANKE und dir auch noch einen schönen Adventssonntag!
      Angelika

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