Ganz große Wundertüte

Kennt ihr aus eurer Kindheit noch die “Wundertüten” in den Varianten für Mädchen oder Jungs? In den 60ern lagen sie in jedem “Büdchen” (Kiosk) aus und gehörten für mich zu den größeren Kostbarkeiten. Zwei Groschen waren sie teuer und enthielten Glanzbilder, Armbändchen aus Zuckerperlen, kleines Plastikspielzeug und ähnlichen Tinnef. Einfache Dinge – doch die Überraschung wertete sie ungeheuer auf. Lange ist’s her … Doch seit einigen Jahren hab’ ich als Pendant meine persönliche ‘Erwachsenenwundertüte’ entdeckt: die regelmäßig von der hiesigen Verbraucherzentrale organisierte Pflanzentauschbörse. Das Prinzip ist einfach:

pflanzentausch

Entweder man gräbt zur Zeit der Staudenteilung Tauschobjekte aus dem Garten aus, zieht Sämlinge oder packt überzählige Topfpflanzen ein – und verteilt diese dann großzügig auf dem kleinen Markt; dafür bedient man sich nach Herzenslust an anderen Ständen. Oder man geht einfach mit leeren Taschen hin, lässt sich sachkundig zu den vielen Pflänzchen schlau machen und adoptiert dann das Gewünschte gegen eine kleine Spende für die Kinderkrebsstation. Eine tolle Sache, viele interessante Gespräche inklusive!

Wundertüten bleiben die schnell prall gefüllten Beutetaschen trotzdem für mich, denn es sind oft Kandidaten darin, die ich noch nicht kenne; und selbst bei bekannten Pflanzen weiß man schließlich nie, welche genaue Sorte, Farbe etc. sich aus den paar grünen Stengeln entwickeln wird. Meine Wundertüte von diesem Wochenende enthielt, hier schon grundversorgt, …

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für den halbschattigen Baumbereich des neuen Gartnes: Nachtviolen (Hesperis matronalis), deren essbare Blüten abends wunderbar nach Veilchen duften; als Bodendecker blaues großes Immergrün (Vinca Major) und Günsel (Ajuga); Wunderlauch (Allium paradoxum), der mit seinen hübschen weißen Blütenglöckchen unter die Hainbuchenhecke ziehen soll; knackig grünen Waldmeister (Galium odoratum) und romantischen Fingerhut (Digitalis Purpurea).  Fürs Sonnenbeet kamen zwei Stauden eines hohen ungefüllten Sonnenhuts dazu (vermutlich eine Rudbeckia?), auf die ich schon sehr gespannt bin; ebenfalls als Bienenweide eine Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula Persicifolia) und Taglilien (Hermerocallis), deren Blüten auch gut schmecken sollen – will man sie denn opfern; dazu einige Schwertlilien (Iris) und unbekannte Astern mit Überraschungsfaktor.

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Wenn auch ich eigentlich gar keinen Platz dafür habe, freu’ ich mich zusätzlich über etliche Tomaten: die gelbe Schönhagener Früh, eine kleine schwarze Tomate unbekannten Namens, ein großes Ochsenherz. Die stehen jetzt neben meinen Einkäufen vom österlichen Pflanzenmarkt: Sungella, Green Zebra, Tiger Striped und die krautfäuleresistente Freilandtomate Humboldtii. Solange es nachts nicht friert, dürfen sie auf dem Balkon bleiben, denn die Bio-Pflänzchen wurden ganz cool im Freilandtunnel hochgepäppelt. Frei nach dem Motto “Nur die Harten in meinen Garten”.

Alle Neuzugänge hab’ ich dieses Mal mit Namensschildern versorgt, nachdem ich mir jahrelang immer wieder selber glaubte, ich würde mir doch wohl merken können, was ich da auspflanzen wollte (haha). Die Schilder lassen sich am einfachsten aus leeren Getränkekartons schneiden und mit wasserfestem Filzstift beschriften.

Nun hoffe ich auf frostfreie Nächte, sonst geht hier abends das große Räumen los – und der Esstisch im Wohnzimmer ist doch schon von den eigenen Aussaaten besetzt :-)

Eine sonnige Woche wünscht

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Angelika

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