Archiv für die Kategorie 'Bücher'

Rowan-Abo … oder auch: fortgesetzte Kunden-Veräppelung

KnitAngel am 22. Mai 2011

Bislang habe ich das englische Rowan-Magazin abonniert. In erster Linie, weil die deutschen Übersetzungen so schlecht sind oder dies zumindest waren, als ich mit den englischen Abos begann. Aber auch das jährliche Präsent für die Abonnenten war durchaus ein Anreiz, das gebe ich gerne zu. Früher gab’s immer Wolle für ein kleines Projekt nebst Anleitung. Eine schöne Sache, um mal neue Garne auszuprobieren. Und welche(r) Stricker(in) freute sich nicht über Wolle?

Das Ganze war ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Kunden erhalten ihr ‘Präsent’; das Unternehmen spart beim Direkt-Abo die Händlermarge und profitiert von der Kundenbindung. Der zwischenzeitlich gestartete Versuch, neue Abonnenten statt dessen mit einer Leinen-(Werbe)tasche abzuspeisen, war übrigens auch schlecht angekommen.

Gestern nun lag der Newsletter für die internationalen Abonnenten im Briefkasten. Dort wird “the new member’s gift for 2011″ vollmundig angekündigt. Aus Anlass des 50. Heftes geriert sich Rowan besonders großzügig: Die Abonnenten werden in den Genuss eines von “lots of exciting events” (?) kommen, nämlich als Jahresgabe besagtes Heft in einer Hard-Cover-Ausgabe erhalten. Noch dazu, wenn man dem Foto glauben darf, in Beerdingungsschwarz eingebunden :-(

Nachdem ich den letzten Newsletter aufwändig beim Zoll auslösen durfte, empfinde ich das nun als fortgesetzte Kunden-Veräppelung: Sowohl das Heft als auch die Versandkosten haben wir schließlich sowieso schon bezahlt. Das “Geschenk” besteht also aus einer etwas anderen Bindung, die sich vielleicht selbst feiert, mir aber nicht gefällt. Rowan spart also erstens die Kosten für die Wolle (wiewohl wir hier nicht von Trendgarnen, sondern eher von Auslauf-Serien reden), zweitens die Versandkosten für die Prämie - und kündigt dies auch noch großspurig als ganz besondere Wohltat an.

Zeit, das Abo nicht mehr zu verlängern. Ich mag mich nicht vera####en lassen.

Einen schönen Sonntag wünsch’ ich euch

(wegen Netzwerkproblemen ausnahmsweise fotolos)

Angelika

(Bei uns gewitter’s übrigens heftig, und das, wo die frisch lasierte Gartenhütte noch keine Dachpappe auf dem Kopf hat)

Abgelegt unter Bücher, Fundsachen, Kultur, varia & curiosa | 2 Kommentare

Bücherkisten

KnitAngel am 2. März 2011

Gestern habe ich begonnen, Bücherkisten zu packen. Bei der Gelegenheit dann auch endlich mal mein Ravelry-Regal weiter bestückt. Den genauen Überblick darüber, was ich noch einzustellen hätte oder welche Bücher vielleicht doppelt erfasst sind, hab’ ich nicht, denn seltsamerweise hat die Suchfunktion in meiner virtuellen Bibliothek bereits vorhandene Exemplare nicht immer zutage gefördert (was mir manchmal später auffiel), und auch die Unterscheidung zwischen Book und Booklet erschließt sich mir nur in wenigen Fällen. Doch für einen groben Überblick reicht’s - schließlich lassen sich ja sowieso längst noch nicht alle Bücher einstellen.

Immerhin wurde ich durch diese Aktion an einige Bücher erinnert, die ich schon längst fotografiert hatte, um sie hier zu zeigen. Da wäre zum Beispiel das “Afghans”-Buch von Berroco:

Comfort Knitting & Crochet: Afghans. More Than 50 Beautiful, Affordable Designs Featuring Berroco’s Comfort Yarn. Ed. Norah Gaughan, Margery Winter and Berroco Design Team.

Ich finde es klasse. 50 Decken in den unterschiedlichsten Stilen und Techniken gestrickt

oder gehäkelt …

alle optisch gut in Szene gesetzt und mit ausführlicher Anleitung zum Nachmachen. Die Designs sind wirklich sehr unterschiedlich …

doch für meinen Geschmack alle in sich stimmig. Hier waren professionelle Designer am Werk: Norah Gaughan, Margery Winter und das Berroco Design Team.

Ich mag solche kleinen Decken sehr: zum Überwerfen, wenn auf dem Sofa unterhalb des Bademantelsaums mal wieder Eisbein droht, zum Ins-Kreuz-Stopfen während einer Autofahrt, als kuscheligen Jackenersatz für die ersten Sonnenbäder, als farbenfrohe Energie- und Wärmespenderinnen für die Meditation. Außerdem hab’ ich beim Deckenstricken ausnahmsweise mal keine Passformprobleme ;-)

Doch auch, wenn ich keine Verwendung für solche Objekte hätte, wär’ das Buch für mich ein Gewinn: Hier finden sich viele Muster, die sich gut für andere Handarbeiten adaptieren lassen. Zum Beispiel könnte ich mir dieses Zopfmuster von den Aran Isles gut für einen hellen Winterpulli vorstellen, und einige der Häkelmuster gäben gute Sommerschals ab.

Ach ja, … doch jetzt verschwindet auch dieses Buch erst einmal in einer Kiste, ohne direkte Aussicht auf ein Handarbeitszimmer. Was soll’s - es gibt Schlimmeres.

Eine gute Restwoche wünsch’ ich euch!

Angelika

Abgelegt unter Bücher, varia & curiosa | 3 Kommentare

Noch mehr “old-fashioned”

KnitAngel am 29. Januar 2011

Danke für eure netten Kommentare zu meinem “old-fashioned” Winter-Set! Da der Retro-Stil offenbar gut ankommt, möchte ich euch noch ein passendes Buch zeigen (das ich dem Ravelry-Ideen-Striptease meiner Freunde zu verdanken habe - merci :-)

“The Ohio Knitting Mills Knitting Book” von Steven Tatar und Denise Grollmus bietet nicht nur Retro-Fashion zum Nachstricken, sondern auch einen kleinen Streifzug durch die US-amerikanische (Mode)Geschichte. Die story zum Buch: 2005 stieß der Bildhauer Steven Tatar in Cleveland auf die größtenteils stillgelegte “Ohio Knitting Mills factory” - einstmals eine prosperierende Vertrags-Strickerei, die den “sportswear style” populär gemacht hatte. Tatars Beschreibung des Vorgefundenen erinnert mich an die Dornröschen-Geschichte der ehemaligen Tuchfabrik Müller in Euskirchen (heute ein Industriemuseum): altmodische Strickmaschinen und Garnvorräte in allen Farben und Materialien - vieles noch funktionsfähig. Dazu ein riesiges Textillager mit Gebrauchsmustern fast aller Produktionslinien von den 1940er bis zu den 70er Jahren. Tatar erwarb die Lagerbestände, verpasste den alten Schätzchen mit “Ohio Knitting Mills” ein einheitliches Label und brachte sie in Brooklyn zwei Jahre lang unters aktuelle Modevolk. Entsprechende Strickwaren (von denen ich annehme, dass sie nachgearbeitet sind), lassen sich heute online hier erstehen.

Für das “Ohio Knitting Mills Knitting Book” wurden 26 Modelle der historischen Produktion zu Handstrickprojekten umgearbeitet (Kleider, Rock mit Oberteil, Damen- und Herren-Pullis sowie -Jacken, Pullunder, Poncho und last but not least ‘Kleinkram’ wie Mütze und Schal oder Tasche).

Schon der Kontrast zwischen den alten Aufnahmen und den gut fotografierten ‘neuen’ Versionen macht Lust, die Einleitungstexte zu den Projekten zu lesen: Dort werden alle Modelle recht aufschlussreich in ihrer (Mode-)Dekade verortet. Die Anleitungen scheinen auf den ersten Blick umfassend genug zu sein; dazu gibt’s Schemazeichnungen und ggf. Mustercharts. [Viele Effekte werden übrigens durchs nachträgliche Besticken erzielt, sind also gut für bereits vorhandene Modelle adaptierbar.] Historische Fotos und Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern evozieren, auch mit Hilfe der gelungenen Grafik, ein zeitgemäßes Retro-Feeling.

Diese Stimmung kommt auch in einem Video Tatars rüber, in dem er von seiner Unternehmung berichtet und en passant auch einige Modelle und Accessoires seines Shops gekonnt in Szene setzt. Guckt doch mal rein:

Auch wenn ich vielleicht nichts aus dem Buch nachstricken werde,** das Buch hat für mich unbedingten Sammelbuch-Charakter. Aber das ist natürlich - wie immer - Geschmackssache ;-)

Eine gute Rezension habe ich übrigens hier gefunden; mehr Fotos gibt’s beispielsweise bei Knitpicks.

** (obschon: das Mondrian-Kleid des Titels, eine Hommage an ein 60er-Jahre-Modell von Yves Saint Laurent, würde mich schon reizen … vielleicht mit engen schwarzen Ärmeln und einem schwarzen Stehkragen versehen ?!? Denn ärmellos trag’ ich nur, wenn’s heiß ist - dann aber keinen Stricksachen.)

Abgelegt unter Bücher, Kultur | Keine Kommentare

Unglaublich, aber wahr!

KnitAngel am 28. Januar 2011

Gestern im Briefkasten: Eine Ermahnung von der “Zollübergabestelle” der Deutschen Post, ich sei meiner Aufforderung, eine Sendung aus “China” abzuholen, nicht nachgekommen. Nur noch bis zum 30.01. sei dies möglich (wohlgemerkt: Wochenende), danach gehe die Sendung ggf. gebührenpflichtig als unzustellbar zurück. Um sie auszulösen, müsse ich aber unbedingt den dezidierten Zahlungsnachweis für die Ware mitbringen.

Hmmmm - … Beim besten Willen fand sich in meinem Gehirn keine Schublade, die mir dieses Rätsel aufgeklärt hätte. Aber immerhin wäre es doch möglich, dass ich vor Monaten etwa ein japanisches Strickbuch bestellt und vergessen hatte (das dann in China gedruckt wurde …). Die Gier ließ mich an meinen grauen Zellen zweifeln. Also hab’ ich über eine Stunde lang den PC rauf- und runter-durchsucht (und dabei wenigstens Unmengen von Mails gelöscht), doch es fand sich weder an den möglichen, noch an den unmöglichen Stellen ein Hinweis.

Heute dann eine halbe Stunde zu besagtem Amt gefahren (unnötig zu erwähnen, dass man telefonisch nicht durchkam.) Dort zwei Stunden gewartet. Und was war das Ergebnis?:

Eine Werbebroschüre  Der veraltete Newsletter für Rowan-Abonnenten. Ziemlich sauer bin ich über diese Art des Versands; dieser wäre sicherlich auch anders möglich gewesen. Zumal mein eigentlich bestelltes und bezahltes Magazin, das andere Fans hier in Deutschland bereits seit Wochen besitzen, immer noch nicht zugestellt wurde. Ob das auch aus China kommt? … Dann sehe ich neben einer Flut an E-Mails mit Bitten um ein Ersatzheft auch noch weitere Stunden auf dem Zollamt vor mir. Ich sollte wohl schon mal ein simples Strickwerk zur Nervenberuhigung während der Wartezeit anschlagen …

Abgelegt unter Bücher, varia & curiosa | 2 Kommentare

Culinaria

KnitAngel am 9. Januar 2011

Einige hier wissen, dass meine Kochbuchsammlung noch größer ist als die meiner Handarbeitsbücher. Doch seitdem ich, wieder mit dem Wollvirus infiziert, nach Letzteren giere, werden kaum noch Kochbücher gekauft. Beide Sparten weiter zu bestücken gäbe mein Geldbeutel nicht her; und außerdem bin ich mit Küchenliteratur eigentlich genügend gut ausgerüstet. Deshalb ist es erstaunlich, dass ich mir in der letzten Zeit doch wieder einige Kochbücher geleistet habe, soll heißen, ich habe für meinen Geschmack wirklich außergewöhnlich gute Bücher entdeckt. Interessiert’s euch, welche das sind? - Wer “nein” sagt, hat sich jetzt sowieso schon weggeklickt ;-) Für die anderen werde ich hier mal einige Neuerwerbungen in lockerer Reihenfolge vorstellen.

Gestern im inspirierenden Buchladen der Benediktinerabtei Maria Laach erstanden:

“Mälzer & Witzigmann.” Diese Kombination fand ich auf den ersten Blick aberwitzig. Oder sollte ich sagen “Witzig…”, aber “…” ??? Denn Witzigmann, der Gemüse liebende Drei-Sterne-Perfektionist, ist schon sehr lange mein Lieblingskoch, während ich Mälzers Kochbücher zwar auch nicht schlecht finde, doch seine hektischen Medienspektakel nerven mich eher. Dieser Titel war mir also - auch durch das ungewöhnliche Cover angeregt - einen Griff zum Bücherstapel wert. - Und ich bin begeistert: In dem schön gebundenen, klasse fotografierten und gelayouteten Buch finden sich neben lockeren Interviews, die die Liebe zu den Produkten rüberkommen lassen (na ja, auch ein wenig Lobhudelei ist dabei), …

recht einfache, aber runde Rezepte mit Pfiff. Perfekt gemachter “Standard” neben vereinfachter “Hoher Kunst”. Ein Beispiel die Zucchinicremesuppe: Ich liebe Gemüsecremesupe, also erwartete ich hier “lecker”, aber ehrlich gesagt doch nichts besonders Prickelndes. Aber siehe da: sie ist mit karamellisierten Birnen und Gorgonzola kombiniert. Das gibt der Standardsuppe den Extrakick.

In diesem Buch findet jeder Kochlustige seine Inspirationen. Das beginnt mit der verblüffenden kleinen Anleitung, wie ein hartgekochtes Ei gelingt (nämlich indem man es neben der Herdplatte gar ziehen lässt - lacht nicht, denn wer kennt sie nicht, die staubkrümeligen Ostereier, die entstehen, wenn man, begeistert mit der Farbe matschend, die nächste Ladung nicht zeitig genug aus dem Wasser zieht?). Dann führt mich meine zufällig aufgeblätterte Auswahl vom Seeteufel mit Topinamburpürree und Sherryessig-Sauce über die aufwändige Moussaka mit Lammhack, Mangold, Paprika und Süßkartoffeln, den Schweinebraten mit Biersauce und Knödeln, das Auberginen-Carpaccio, das Estragonhuhn in sahniger Tomatensauce, bis hin zur katalanischen Tiramisu und die Schokoladentarte.

Nicht nur gemessen am Preis eines Taschenbuchs ist “Witzigmann & Mälzer” seine 19,99 Euro mehr als wert. Wenn Ihr also Spaß am Kochen habt und auch gerne mal Neues kombiniert, dann blättert diese Neuerscheinung doch mal an.

Ich für meinen Teil werde mich demnächst ganz mutig an die gebratenen Jakobsmuscheln auf Rosinen und Kapern wagen. Mein Lieblingszitat aus dem Buch stammt übrigens von Vinzent Klink, der die Maitres interviewte: “Ein Rührei ist nicht irgendein in der Pfanne rumgeschmissenes Gerümpel.”

Abgelegt unter Bücher, Kochen | 3 Kommentare

Schritt für Schritt zum guten Schnitt

KnitAngel am 12. Dezember 2010

Meine nächste Buchvorstellung richtet sich an all diejenigen, deren Achillisferse der Schnitt gut sitzender Bekleidung ist. (Schneiderinnen dürfen getrost wegklicken ;-) Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich zwar halbwegs gut stricken kann, doch immer wieder mit der Passform von mir produzierter Kleidung hadere. Oder, wie Frau A. es mal auf den Punkt zu bringen pflegte: mir fehlt das grundlegende Verständnis für Schnitte.

Hier kommt nun Abhilfe:

Dieses Büchlein von Lucia Mors de Castro macht einen zwar nicht über Nacht zur Schneiderin oder gar Designerin, doch sorgt es für einige Aha-Effekte. Die Technik des Schnittzeichnens (und damit der Aufbau bestimmter Bekleidungsteile) wird in den Grundzügen vorgeführt; dazu gibt’s Tipps für die kreative Schnittentwicklung. Die Autorin begann ihre Karriere bei Vivienne Westwood in London, absolvierte dann eine Ausbildung zur Schneiderin und studierte gleichzeitig Modedesign an der Meisterschule für Mode in München. Nach einer Zwischenstation als Direktorin der Schnittmusterabteilung einer Fair-Trade-Modefirma in Peru gibt sie nun Bücher über Modedesign heraus und studiert Kunstlehre in Berlin.

Die Theorie der Lehre setzt sie mit “Patternmaking” in die Praxis um: Hier werden die Basics erklärt - angefangen vom richtigen Maßnehmen …

über den Schnittaufbau für einfache …

oder auch komplexe Modelle.

Expliziert werden nach einem geraden Rockgrundschnitt ein leicht ausgestellter Rock mit übereinander liegenden Falten, dann ein asymmetrischer Ballonrock, ein Kleider- und ein Ärmelgrundschnitt, danach ein schulterfreies Kleid mit Glockenrock, ein Kleid mit ovaler Silhouette, eine Jacke mit Volantkragen und Raglanärmeln sowie eine figurbetonte Jacke mit Ärmeldetails. Die Grundschnitte sind im Anhang im Maßstab 1 : 4 abgedruckt. Außerdem wurde ein kleines Glossar angelegt.

Spätestens hierbei erweist sich der Pfiff des Ganzen: Das Glossar ist - wie das gesamte Buch - dreisprachig angelegt (in Englisch, Französisch und Deutsch).  Und diese Synopse bietet ein gutes Sprungbrett, um sich auch einmal an fremdsprachige Schnitt-Anleitungen zu wagen, deren Fachbegriffe man sonst erst im Web zusammensuchen müsste.

Zwei Fliegen mit einer Klappe also: Einführung in Bekleidungsschnitte sowie in die dazugehörige englische und französische Fachterminologie. Und nun der absolute Clou: Das Buch gibt’s für den moderaten Preis von 9,99 Euro!

Zugreifen, Mädels!

Abgelegt unter Bücher | Ein Kommentar

Kleider machen Leute!

KnitAngel am 11. Dezember 2010

Vielleicht habt Ihr noch ein wenig Platz auf eurem Wunschzettel an das Christkind? Deshalb möchte ich euch übers Wochenende mit zwei, drei Büchern aus meinen Neuzugängen inspirieren. Heute eine Delikatesse für alle an Textilkunst und Völkerkundlichem Interessierte.
Catherine Legrand, Pariser Modedesignerin, hat auf zahlreichen Reisen Fotos, Bekleidung und Schmuck gesammelt und daraus diesen opulenten Bildband zusammengestellt:

Stationen der Reise sind Vietnam, Laos und Thailand, Indien, Mexiko und Guatemala, Panama, Rumänien und Benin.

Der Fremde, der uns dort begegnet, …

unterscheidet sich auf den ersten Blick primär durch seine Kleidung von uns selbst.

Diese hat nicht nur eine Schutzfunktion, sondern steht für seine Identität und seinen Status. Sie ist soziales Erkennungszeichen und hat im Falle der aufwendig handgearbeiteten Trachten auch immer eine eng mit der Kultur des Trägers verbundene Entstehungsgeschichte.

Die identitätsstiftende Funktion der Bekleidung und ihre Herstellung …

sind denn auch die Hauptaspekte, unter denen Legrand die von ihr besuchten Ethnien vorstellt. Dabei sind die Menschen mit viel Respekt fotografiert und beschrieben.

Alleine die Fotos der kunstfertigen Details sind Inspirationsquelle für alle, die Handarbeiten lieben: fein ziselierte Stickereien, …

kunstvoll plissierte Röcke …

und farbenfrohe Applikationen leuchten einen entgegen.

Etliche Verfahren sind in den Grundzügen beschrieben, zum Beispiel Färbetechniken wie das Arbeiten mit Indigoküpe,

die Seidenraupenzucht, der Umgang mit Hanf, Druckverfahren wie der Granatapfeldruck, Ikat-Weberei, Bindebatiken, Spiegelstickereien, genähte Negativ-Applikationen.

Auch passende Geschmeide, Accessoires und typischer Körperschmuck werden mit in den Blick genommen und die Bestandteile der Trachten in detaillierten Grafiken zusammengestellt.

Legrands dicker Wälzer lädt zu immer neuen Entdeckungsreisen ein. Oft wird man unterwegs feststellen, dass es Gemeinsamkeiten mit der eigenen Kultur gibt - oder man entdeckt einen diametral entgegengesetzten Blick auf die Dinge. Dazu fällt mir spontan ein Detail ein, das mich zum Schmunzeln gebracht hat:
Während unsere modernen Strickanleitungen in der Regel mit dem Rückenteil beginnen, damit eventuell noch ungleichmäßig geratene Anfänge der Kleidungsproduktion quasi hinter dem Rücken versteckt sind, sieht das eine Kuna-Frau aus Panama ganz anders. In aufwändiger Negativ-Applikations-Technik näht sie “Molas” (rechteckige, reich verzierte Stoffteile, die Vorder- und Rückenteile einer Bluse aufwerten) und erklärt dazu, dass die schönere Ausfertigung selbstverständlich auf den Rücken der Bluse gehöre, denn dort sehe man sie am besten.
Über diesen kulturellen Unterschied schon könnte ich länger nachdenken …

Vielleicht habe ich euch Lust auf dieses Buch gemacht? Hier könnt ihr es noch kurz anblättern.
Schmökerlust stiftend grüßt
Angelika

Abgelegt unter Bücher | 4 Kommentare

Ich hab’s, ich hab’s, ich hab’s …

KnitAngel am 11. Oktober 2010

Vor Monaten bestellt und heute eingetroffen. Wie schön! Denn bei meiner letzten langfristigen Vorbestellung kam schließlich zur Auslieferungszeit nur noch ein “Sorry, haben wir nicht mehr …”. Da konnte ich mit Glück noch in England bestellen. Bei diesem begehrten Buch hatte ich daher auch eventuelle Auslieferungsprobleme befürchtet. Aber es hat geklappt.

:-)))

Abgelegt unter Bücher | 2 Kommentare

Braver Postbote!

KnitAngel am 21. September 2009

Weil mich hier einiges wirklich begeistert, bin ich mal leichtsinnig und zeig’ euch die Objekte meiner Begierde … Hin und weg bin ich von folgendem Blazer aus The Knitter # 10. (Das Modell wurde bestimmt nur versehentlich “Gosford” getauft - da hätte eigentlich ‘Angelika’ dranstehen sollen ;-). Entworfen von Judy Furlong - mit perfekten Details wie rückwärtigen Falten, die (wie auch Kragen, Ärmelschlitze und Bündchen) andersfarbig unterlegt sind und mit zwei Schmuckknöpfen betont (hab’ ich vorhin blöderweise vergessen zu fotografieren …)

“Double Knitting” von M’Lou Baber hatte ich mir in erster Linie bestellt, um meine “Technik”-Abteilung zu vervollständigen. Aber nun finde ich sowohl das Titelmodell (s.o.) als auch dieses Muster klasse (nicht jedoch den Schnitt) :

Und dieser Mantel gefällt mir auch ausnehmend gut:

Ich bin nur skeptisch, ob diese Doppelstricktechnik wirklich so gut für Mäntel geeignet ist, da diese schon einfach gestrickt zu schwer werden und ‘leiern’. Vielleicht funktioniert’s mit sehr gut bedachter Materialwahl, also entweder mit einem Garn mit Mohairanteil oder mit einem dieser neuen ‘luftgepolsterten’ Garne mit Synthetikanteil. Der Technik-Teil des Buchs gibt jedenfalls gute Hilfe, um das richtige Material in entsprechender Menge zusammenzustellen.

Tja, und die Neuauflage von A. Starmores Fair-Isle-Book (von 1988) musste natürlich unbedingt in die Bibliothek: Viel Historisches, eine Pattern-Library, Betrachtungen zu Farbkompositionen und ein ausführlicher Technik-Teil. Dieser erklärt die Konstruktion der traditionellen rundgestrickten Pullover und Jacken und dann die Methode, gleichzeitig ‘englisch’ und ‘kontinental’ zu stricken (d.h. mit jeder Hand einen Faden zu führen) sowie das Arbeiten der “steeks”. Schließlich noch viele Tipps und Tricks ‘drumherum’, z.B. für den Bau eines Pulli-Spanners (”wooly board”). Zum Nachstricken präsentiert A.S. dann 12 Modelle und gibt anschließend Starthilfe zum Selber-Designen.

Fazit: Ein sehr guter Rundumschlag für Leute, die wirklich FIs stricken oder ihre Technik-Bibiothek vervollständigen möchten. Wer aber sensationelle Designs, fotografiert vor atemberaubender Kulisse erwartet, könnte enttäuscht sein.

Abgelegt unter Bücher | 3 Kommentare

Schöne Sachen …

KnitAngel am 30. August 2009

… gibt’s in der aktuellen “Landlust” zu sehen und nachzumachen.

Für Textilhandwerk-Begeisterte dieses Mal Anleitungen zum Wollefärben mit Naturfarbstoffen,

Anleitungen für schicke Strickfilztaschen und

einen interessanten Artikel über Harris-Tweed …

bzw. eine Designerin, die modische Einzelstücke nach Maß daraus fertigt. Außerdem natürlich noch viele andere anregende Reportagen und Kochrezepte.

Gefällt mir recht gut, diese Ausgabe.

P.S.: Die Anleitungen kann man sich wie gewohnt im Internet downloaden!

Abgelegt unter Anleitungen, Bücher | Ein Kommentar

Nächste Einträge »