KnitAngel am 10. Oktober 2008
Ich hatte ja gehofft, mich vor dieser Geschichte drücken zu können. Aber Susl hat so hinterlistig-nett gefragt … *seufzer*. Deshalb nun eine Kurzfassung des Desasters:

Erster Abend: Elevin findet sich zeitig vor Kursbeginn ein, um hoffnungsvoll in den Modellbüchern zu schwelgen. Es gibt aber nur eins. Und nichts darin, was wirklich prickelnd wäre. Aber dafür hatte Elevin klugerweise vorgesorgt - mit einem Easy-Rockschnitt nebst Stoff aus dem heimischen Vorrat. - Meisterin kommt, findet das Modell ungeeignet. Hauptsächlich wegen des mitgebrachten Georgette-Stoffs - hat aber keinen passenden Rockstoff im Angebot. Eine Hose wäre doch auch gut?!? - Elevin zaudert … das sei doch schon um einiges schwieriger mit der Passform. Meisterin: Auch nicht schwieriger als ein Rock. Gar kein Problem. - Man einigt sich auf eine Simpicity-Hose im weiten Marlene-Stil, beguckt sich die Anleitung, sucht den Stoff aus (den Elevin als Hausaufgabe waschen und bügeln wird).
Zweiter Abend: Elevin wird vermessen. Erste Probleme wegen eklatanter Größendifferenz zwischen Taille und Hüfte. Kein Problem. Nach Vortrag über Nahtzugaben bei Schnitten dieses Herstellers ändert Lehrerin den Schnitt ab und veranlasst Elevin, die bislang nur daneben stehen und zuschauen konnte, schließlich in bester Kindergartenmanier alle Linien ordentlich auszuschneiden. (Elevin ist 1,80 groß, die Tische reichen ihr nur bis knapp übers Knie.)
Dritter Abend: Meisterin erklärt, wie man Hosenschnitte verlängert und, weil man gerade dabei ist, wie man sie verbreitert, verkleinert etc. Elevin lernt begeistert, steht daneben, hört zu, bekommt aber doch so langsam Bedenken, als am Ende dieser dritten Doppelstunde (von 8) lediglich zwei Hosenbeine aus Papier verlängert sind.
Vierter Abend: Elevin justiert den Schnitt unter den Argusaugen der Meisterin milimetergenau auf den Kreidestreifen des Stoffs, was ihrem pingeligen Naturell durchaus entgegen kommt. Rücken schmerzt (siehe Tischhöhe). Endlich der Zuschnitt - ein erster Fortschritt. Dennoch verabschiedet sich Elevin innerlich leise von ihrem Wunsch, die Schurwollhose zu füttern, und überlegt, wozu sie wohl den mitgekauften schwarzen Futterstoff anderweitig verwenden könnte.
Fünfter Abend: Elevin darf die Abnäher von Hand und die Hose auf der Maschine heften. Wundert sich, dass das Ungetüm vor ihr nach Clownshosen aussieht, vertraut aber auf die Kunst des Schnitts und der Meisterin, die ihn angepriesen hat. Probiert an. Ist entsetzt. Es ist eine Clownshose! (Hat hier noch wer alte Hosenträger von Opa übrig?). Meisterin ist auch entgeistert, steckt das Monstrum ewig am lebenden Modell ab, alldieweil sich Elevin barfuß auf den kalten Fliesen die Füße abfriert.
Sechster Abend: Der neue Hosenplan wird mit Seife (toller Trick) auf den Stoff gezeichnet, und Meisterin überträgt die Änderungen unter größeren Grübeleien auf den Papierschnitt, der mittlerweile so ramponiert ist, dass Elevin ihn sowieso nie wieder wieder wird entziffern können. Elevin, die bislang … daneben stehen und zugucken musste, wiederholt ihre Fingerübungen im Heften - und - die Hose sitzt immer noch nicht. Meisterin wiederholt ihr mantrahaftes “das kriegen wir schon hin” bereits weniger enthusiastisch.
Siebter und bislang letzter Abend: Elevin schwänzt und näht statt dessen zuhause. Mit der Hand. Was, das wird der nächste Beitrag zeigen.
Es folgt noch ein Abend. Und dann? Noch einen Kurs buchen? Oder den teuren Stoff vermurkst in die Tonne kloppen? … Mal sehen, was die nächste Woche bringt.
Reichlich genervt grüßt
die Elevin